Literatwoisch in den Monat Juni

Wie immer haben wir für euch zum ersten Tag des neuen Monats das aktuelle Kalenderblatt eingestellt. Ein buchiger Monat liegt vor uns und er beginnt mit dem Kindertag, an dem sicher auch das ein oder andere Büchlein verschenkt wird. Da wir alle Kinder sind, wünschen wir euch alles Gute zum Kindertag, genießt das Kind sein ;-)

Der Monat Juni wird für uns auch wieder buchig spannend werden. In wenigen Tagen sind wir in Meißen und besuchen das Literaturfest, welches vom 06.-10. Juni stattfindet. Unser Blog wird sich in den Literaturfestblog verwandeln und wir werden euch ständig mit Impressionen versorgen. Literatwo – Der Literaturfestblog in Meißen - viel Spaß beim Lesen. Wir freuen uns dabei zu sein, euch vor Ort zu treffen und sind immer noch stolz, dass wir in den Literaturfest News vorgestellt wurden.

Besonders gefreut haben wir uns im Monat Mai über den Artikel “Auf Tauchgang nach Buchschätzen” auf der Homepage des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Wir danken euch für das liebe Feedback, das wir erhalten haben und sind gespannt, was der Juni mit Literatwo vorhat.

Und nun blicken wir auf den Monat Mai zurück, denn in diesem haben wir wieder sehr viel gelesen, tief in den Buchschätzen getaucht und mit diesen unsere Lebenslesebibliothek erweitert.

Mai 2012:

Eine gewaltige Dystopie

Wir sind nach Italien gereist und haben einen Mann begleitet, der uns tief beeindruckt hat. Eine Dystopie, ein dunkler gewalttätiger Roman und doch für uns das Hoffnungsbuch des Jahres – “Der aufrechte Mann” von Davide Longo.

Skandal auf Literatwo?

Literatwo und das SEXperiment – es wurde skandalös und vor allem pink auf unserem Blog. Wir haben euch Annette Meisl´s Buch “Fünf Männer für mich” vorgestellt. Doch damit war kein Ende in Sicht, denn ein Interview folgte – skandalös…

“Fünf” – Ursula Poznanski Nr. 3 für Literatwo

Die Zahl fünf hielt uns in Atem, bereits das nächste Buch mit einer fünf im Titel wollte gelesen werden. Ursula Poznanski begeisterte mit “Fünf” und zeigte uns literarisch die blutige Seite des Geocaching. Damit nicht genug, denn der “Herr der Koordinaten” meldete sich außerdem zu Wort. Spannend…

“Anders sein” in Zeiten des Krieges…

Besser spät als nie – “Das späte Geständnis des Tristan Sadler” von John Boyne – berührt und bewegt, denn die Flucht in den Krieg ist keine leichte. Das Bekenntnis von Boyne – seinem Protagonisten Tristan Sadler sehr nahe zu stehen, ist für uns mehr als ein Vertrauensbeweis. John Boyne im exklusiven Interview.

Eine Säule – eine Liebe – ein Kampf…

Wir haben im Mai natürlich auch nach historischen Buchperlen getaucht und haben euch “Die Fälscherin” von Julia Freidank vorgestellt. Das Mittelalter lebt und wir wurden an die Schwelle dieser Zeit entführt. Literatwo fand sich in Freising im Jahre 1158 wieder und begegnete einer großartigen Frau.

Eine traumhafte Erzählung…

Die Filmerzählerin” von Hernán Rivera Letelier hat sich mehr als schnell und mehr als tief in unser Leserherz geschlichen und sich ganz weit vorn in der Lebenslesebibliothek von Literatwo eingereiht. Ein Buch für JEDEN – eine Perle, ein Schatz. Mr. Rail musste Binea unbedingt mit diesem Buch und seinen Worten darüber zum Geburtstag überraschen und auch Binea musste Mr. Rail wichtige Worte mitteilen ;-)

Geschichte trifft Fantasy

FantOry – eine neue Genrebezeichnung extra für Brigitte Riebe. Denn sie entführte uns nach Venedig in eine Welt aus “Feuer und Glas“. Eine bestechende Mischung aus Fantasy und Geschichte die uns verzauberte, ein Roman in dem wir besonderen Charakteren und vor allem Puntino begegneten. Aufregend…und es wird weiter gehen.

Reise – Burg – Entscheidung – “Ronar”

Eine fantastisch-poetische Welt umhüllte uns in “Ronar” von Anke Höhl-Kayser. Wir begaben uns auf eine aufregende REISE, besuchten die BURG und hielten die Luft an, denn die ENTSCHEIDUNG erzeugte bei uns mehr als Gänsehaut…

Was der Krieg aus uns macht…

Auch im Mai schrieben wir gegen das Vergessen an. Els Beerten führte uns mit “Als gäbe es einen Himmel” nach Belgien. Nicht in das heutige Belgien, sondern in das Belgien kurz nach der Besetzung durch deutsche Truppen im zweiten Weltkrieg. Ein multiperspektivischer Roman, der gerade durch die wechselnden Sichtweisen die Dynamik des Lebens in einem zerrissenen Dorf hervorhebt. Ein großer Roman über Vorverurteilung, Heldenverehrung und ein Leben in der letzten Konsequenz der eigenen Entscheidung. Lesen!

Bücherverbrennung…und Paulas Lieblingsbuch…

Ein Buch das uns zu Tränen gerührt hat. Elisabeth Zöller hat einen berührenden Roman geschrieben und uns Paula Laurenz an die Hand nehmen lassen. Ein stolzes Mädchen; ein Mädchen mit dem Lieblingsbuch “Mein Kampf”; ein Mädchen, das eine Halbjüdin zur Freundin hat; ein Mädchen, das Vaters Befehlen folgen muss…ABER… “Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel

Meto – Das Haus – 64 Jungen – ein Ziel – Freiheit

Méto – Das Haus” von Yves Grevets löste eine Revolution in der literatwoischen Villa aus. Die französische Revolutionssuppe köchelt leise vor sich hin – ein Haus – 64 Jungen in einem Schachspiel des Grauens – zerbrechende Betten – ein dunkler und gewalttätiger Jugendroman – Faszination pur… ihr werdet und solltet es (er)lesen.

Ein Leben offline ist für Kristin unvorstellbar…

Schon wieder online? Könnt ihr überhaupt noch offline? Können wir noch offline und wollen wir das überhaupt? “Online fühle ich mich frei” – Julia Kristin schreibt über ihr Leben, über ihre Sucht und darüber, ob es ein Leben offline geben kann und geben wird. Keine Stelle im Roman ist fiktiv, jede Stelle ist authentisch…kein dickes Buch, aber eins mit Tiefe und purer Realität.

Bis zum 03.06. habt ihr noch Zeit beim Gewinnspiel mitzumachen.

An dieser Stelle endet unser Tanz durch den literarisch literatwoischen Mai 2012 und wir springen in den buchigen Monat Juni und freuen uns, dass ihr mit dabei seid. Auf gehts… ;-)

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Online fühle ich mich frei – Mein Leben im Netz

Ein Leben offline ist für Julia nicht mehr vorstellbar…

Was wäre wenn ihr ab heute offline sein müsstet? Würdet ihr das aushalten? Oder könnt ihr an euch doch schon die ein oder anderen Suchtzeichen feststellen? Ihr habt Angst was zu verpassen? Ihr müsst zwingend der virtuellen Welt mitteilen, was ihr gerade erlebt habt oder wo ihr euch befindet?

Dann geht es euch teilweise wohl wie Julia Kristin.

Julia ist süchtig und weiß das auch. In der Onlinewelt fühlt sie sich frei und nimmt sich die Freiheit die sie in der realen Welt nicht hat. Seit der Pubertät ist sie süchtig, sie meldet sich in mehreren sozialen Netzwerken an. Immer mehr Freunde kommen dazu, ihre Posts werden massig kommentiert und sie kann ihre Meinungen frei äußern.

In ihrem Elternhaus gibt es immer mehr Zoff. Sie ist Adoptivkind und möchte im Alter der Pubertät wissen, wer ihre wirklichen Eltern sind. Ihre Adoptiveltern finden das nicht wirklich gut und versuchen sie davon abzubringen. Doch ihr Adoptivvater besitzt einen Computer und Julia schafft es, ihre Mutter ausfindig zu machen. Doch die Begegnung mit ihr verläuft anders, als erhofft, ein kleiner Rückschlag, doch genau diese Realität kann ausgeblendet werden.

Daueronline – Julia kennt alle sozialen Netzwerke

Der PC ist eine gute Fluchtmöglichkeit für sie, denn sie merkt, wie bequem es doch ist, sich mit seinen Freunden virtuell zu treffen. Kontakt ist rund um die Uhr möglich, ohne das Haus zu verlassen und vor allem es ist immer jemand da, der zuhören kann, mit dem man kommunizieren kann. Wie jeder Teenager spielt sie anfangs erst Computerspiele. “Die Sommerolympiade”, ein einfaches PC-Spiel hat es ihr angetan, denn sie kann sich dort im Reiten beweisen und ist nie schlecht. Eine Bestätigung die ihr mehr als gut tut.

Nach und nach meldet sie sich in sämtlichen sozialen Netzwerken an. In einem trifft sie Freunde, in einem anderen kann man immer wieder Jungs kennenlernen und gemütlich chatten. Unterwegs ist sie nur sehr selten. Der PC nimmt sie immer mehr in Anspruch, sogar nachts wacht sie auf und schaut nach, wenn der Ton erklingt, der eine neue Nachticht verkündet. 24 Stunden am Tag läuft ihr PC. Zu ihren Adoptiveltern verliert sie immer mehr den Kontakt, mit ihnen kann man nicht so reden wie im Netz. Außerdem wollen sie von Julia, dass sie die Schule mit guten Noten beendet und anschließend eine Lehre macht.

Julias Offline-Ziel: Personenschützerin

Julia muss sich losreißen und schafft es zunächst auch. Bedingt verbringt sie wenige Minuten ohne PC. Sie möchte gern Personen schützen und versucht sich ihren Traum zu verwirklichen. Kampfsport gehört ab sofort zu ihren Beschäfitungen, neben dem Internet. Abends ist sie Türsteherin in einer Disco und fühlt sich mit ihrer Aufgabe wohl. In ihrem Zuhause herrscht genau deswegen keine gute Stimmung und letztendlich muss Julia eine Lehre in einer Sparkasse beginnen. Doch auch dort kann sie nicht aufhören, nebenbei die neusten Meldungen aus den Netzwerken abzurufen.

Der Sport lässt sie aber nicht los, denn die Onlinespiele animieren sie, auch in der Realität so gut zu werden. Sie schafft es einen Job in einen Sicherheitsunternehmen in Stuttgart zu bekommen. Dieser Job begeistert Julia immer mehr und der PC rückt in den Hintergrund. Auch eine Zufallsbegegnung mit einem Jungen, öffnet ihr die Augen. Diese allerdings vertieft sich erst über das Netz, denn dort finden sich die beiden glücklicherweise wieder.

24 Stunden am Tag – Online kann gelebt werden

Als Julia zudem bald stolze Smartphonebesitzerin ist, gibt es kaum noch Momente in denen sie nicht online ist. Ein schwerer Schicksalsschlag öffnet ihr letztendlich für einige Zeit die Augen und ob sie will oder nicht, dass Leben muss auch offline funktionieren und Julia bleibt keine Wahl.

Online fühle ich mich frei” – aus der Reihe “Mein Leben” vom Arena Verlag stammt diese Biografie. Sobald man das Buch aufschlägt, hat man das Gefühl sich bei Facebook mit Julia zu treffen, denn ihr Facebook-Profil ist auf den ersten Seiten abgedruckt. Und mit einem Umblätter-Klick ist eine Facebookmeldung von ihr zu finden.

Die Onlinesucht nimmt immer mehr zu und anhand von Julia Kristin kann sicherlich jeder Leser einige Parallelen zu sich selbst ziehen. In der Onlinewelt werden keine Vorschriften gemacht, in der Onlinewelt kann man posten was man möchte, wie man möchte und selbst Auseinandersetzungen kann man schnell abwenden bzw. aus dem Weg gehen. Schlechte Laune wird einem nicht übel genommen und nach fünf Minuten sind manche Statusmeldungen einfach vergessen. Der scheinbare Freundeskreis wächst ins unermessliche höhe und wenn es einem schlecht geht, dauert es meist nicht lange, bis tröstende Worte in Kommentaren abgegeben werden.

Online fühle ich mich frei…

Kein dickes Büchlein, aber eins mit Tiefe, denn es geht nicht nur um das Verhalten im Internet, sondern allgemein um Julia Kristins Leben. Es befinden sich vor jedem Kapitel Facebook-Einträge von ihr und auch einige Fotos sind zu finden.

Keine Stelle im Buch ist fiktiv, jede Stelle ist authentisch, ungefiltert und direkt, was man auch spürt, denn sonst würde der Schreibfluss womöglich stocken.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen und bin froh es zu kennen. Julias Leben ist auf keinen Fall einfach und es ist nachvollziehbar, dass sie lieber in Chatrooms, Spiele, wie auch soziale Netzwerke flüchtet. Der Schicksalsschlag, der sie in jungen Jahren ereilt, ist nicht leicht, ob Julia allerdings dadurch ein anderer Mensch wird und was sie in der scheinbar Offline-Zeit erlebt, ist bedeutsam.

Passt auf euch auf und findet einen Weg – die Realität sollte nicht aus den Augen verloren werden…

P.S: Könnt ihr in Facebook leben? Teilt diesen Beitrag auf eurer Facebookseite und kommentiert warum ausgerechnet ihr euch für dieses Thema interessiert! Wir geben zwei Bücher an euch weiter. Bis zum 03.06.2012 habt ihr Zeit ;-)

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“Méto – Das Haus” – Eine Revolution bei Literatwo

Méto – Das Haus – Yves Grevets revolutionärer Jugendroman

Mit “Méto – Das Haus” versucht Yves Grevets düstere dreigeteilte Jugend-Utopie eine Lesewelle auszulösen und entführt den Trilogie-gestählten Leser nach den Tributen von Panem und Die Auswahl in eine ganz besondere Welt. Dystopische Zustände in einer nicht so fernen Zukunft verdichten sich hier in der Beschreibung eines einzigen Hauses, in dem alle Elemente eines pseudo-diktatorischen Systems zu einem eigenen Kosmos zusammengefunden haben.

Die gewohnten Mechanismen aus Unterdrückung und Bestrafung werden konsequent mit allen Zutaten vermischt, die man benötigt, um eine steuerbare Masse an Untertanen zu kreieren, aus deren Mitte sich der Held der Geschichte, wie Phoenix aus der Asche erheben kann, um sich selbst, seine Gefolgsleute und letztlich den gesamten Erdball zu befreien.

Méto – es ist angerichtet und die französische Revolutionssuppe köchelt leise vor sich hin….

Méto – Das Haus – 64 Jungen – Ein Ziel – Freiheit

Das Haus: eine gelungene Mischung aus harmlosem Jugendinternat und Quantamo-Hochsicherheitslager, beherbergt insgesamt 64 Jungen in drei unterschiedlichen Altersklassen. Die Verweildauer in diesem wohligen Zuhause scheint von vorneherein begrenzt. Wenn das eigene Bett im Schlafsaal unter einem der Jungen zusammenbricht, na dann ist die Zeit gekommen, die Gemeinschaft zu verlassen. Ein “Rumms” genügt und man wird in eine ungewisse Zukunft entlassen.

Und genau hier beginnt die Faszination des Romans sich den Weg in die noch so störrischen Hirnwindungen des Dystopie-resistenten Lesers zu fressen. Vergangenheit und Zukunft, Identität und Herkunft, Wissen um die elementaren Fragen des Lebens – all diese existenziellen individuellen Wesensmerkmale hat man den Jungen geraubt. Es existiert kein “Davor” – es gibt kein “Danach”. Die Gemeinschaft lebt nicht anders, als eine wohlgehütete Herde von Nutztieren – bestens gefüttert, unterhalten und trainiert… nun – zumindest bis zu dem Moment, in dem das Bett zusammenbricht.

Ihre Namen hat man ihnen geraubt und durch römische Massenware ersetzt. Begriffe wie Vater und Mutter bringen keinen Hauch von Erinnerung zurück und ein straffes System aus Bestrafung und Lob, gewürzt mit ein paar Spitzeln und unnachgiebigen Wärtern halten das Gleichgewicht in dieser Anstalt aufrecht. Individuen kann man sie nicht nennen.

64 Jungen in einem Schachspiel des Grauens, dem man sich nicht entziehen kann. Und wer es dennoch versucht, dessen Mütchen wird in der Kältekammer schon wieder auf Normaltemperatur heruntergekühlt. Isoliert im Haus – isoliert in sich selbst und isoliert innerhalb der Gemeinschaft – so warten sie alle auf jenen unbestimmten Tag, an dem der Schleier sich lüftet und man im zusammengekrachten Bett erwacht… oder aus anderen Gründen aussortiert wird…

Méto – Das Haus – Warten wäre ein großer Fehler

Cäsaren wachen über jeden Schritt und ihr System aus sportlicher Betätigung und Ausbildung lässt darauf schließen, dass dem “Danach” etwas folgen muss… die Zeit im Haus scheint einem Casting zu entsprechen und aus den Kindern von einst werden entweder die Soldaten oder die Sklaven der Zukunft.

“Denn jetzt verstehe ich, was zur Wahl steht: Ich kann Monster-Soldat oder Sklave werden. Ich kann leiden, weil ich umgeformt werde, oder ich kann mein restliches Leben leiden, weil ich mich gegen das Leid entschieden habe.”

All dies fühlt Méto – ein Endjahrgang, dessen Bett schon bedrohlich zu knarren scheint. Es lohnt sich kaum, Freundschaften zu schließen, es lohnt sich kaum, sich Gedanken zu machen, wären da nicht zwei Begegnungen, die nicht nur sein Leben verändern…. In der Kältekammer trifft er auf einen seltsamen alterslosen Jungen, der ihm erklärt, dass es eine Welt außerhalb des Hauses gibt und dass er mehr über sein Leben erfahren kann, wenn er einfach nachts versucht, wach zu bleiben… nichts zu trinken… kein zentral verabreichtes Schlafmittel zu sich zu nehmen. Dieser Rat öffnet Méto die Augen und in einer schlaflosen Nacht sieht er sie zum ersten Mal.

Die Jungen von einst, deren Betten schon lange zerbrochen sind, angeketettet und Sklavenarbeit im Schlafsaal der 64 verrichtend. Soll das seine Zukunft sein? Méto erfährt außerdem, dass nicht nur er sich diese Gedanken macht und er beginnt sich innerlich zu erheben. Er ist nicht allein. In Méto beginnt eine Revolution Gestalt anzunehmen… Ein Umsturz, der alle in Gefahr bringt, denn der Herrscher des Hauses hat vorgesorgt…

Ein dunkler und gewalttätiger Jugendroman entfaltet seine Strahlkraft in weitgehend emotionsloser Schilderung und hohem Tempo. Die Revolution beginnt, wie damals in der Bastille und breitet sich aus und wie in jeder guten Revolution, wird auch diese irgendwann ihre Kinder fressen.

Méto – Das Haus – Es sind viele Bilder, die bleiben…

Es sind Bilder, die bleiben. Es ist eine zentrale Figur, die das Interesse an den beiden Fortsetzungen nährt. Es ist Méto, dessen Zukunft wir erleben wollen und es ist das große Geheimnis hinter dem Ganzen, das im ersten Teil nicht im Ansatz gelüftet wird. Das “Warum” bleibt im Dunklen – ebenso geheim, wie der unheimliche Jovis, der Schöpfer dieses Hauses.

Der Roman erinnert in Teilen an das Internatsleben in Harry Potters Hogwarts – der Schlafsaal, die unterschiedlichen Gruppen und auch eine seltsame Sportart muten sehr nach den alten Welten der J. K. Rowling an. Diese Gedanken vermag man nicht zu vertreiben, wenn man Harry Potter kennt und hier wären frischere Beschreibungen ohne die üblichen Verdächtigen (Geheimgänge, Schlüssel, den großen Speisesaal, Wärter und besonders den Quidditch-Ableger “INCH”) wünschenswert gewesen! Der “Ohrfeigenkreis” als kollektive Bestrafung setzt allerdings Maßstäbe… und die Tatsache, dass kein einziges weibliches Wesen zum “Cast” gehört, ist ebenso erwähnenswert wie außergewöhnlich…

Und doch vermittelt “Méto” ein vollkommen neues Lesegeühl – geheimnisvoll und dramatisch, temporeich und packend… so kann es weitergehen mit den Folgeteilen “Die Insel” und “Die Welt”…

Ich muss mich jetzt beeilen… Méto hat da einen Weg gefunden… Warte… ich komme…

Méto von Yves Grevet – Es geht weiter: Die Insel – Die Welt

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Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel

Vaters Befehl oder ein deutsches Mädel

Gegen das Vergessen – nachdem wir gestern „Als gäbe es einen Himmel“ von Els Beerten vorstellten, widmen wir uns heute dem Jugendbuch von Elisabeth Zöller „Vaters Befehl oder ein deutsches Mädel“. Wir werden immer wieder von diesem Thema gefangen genommen und das ist auch gut so, denn wir wollen gegen das Vergessen ankämpfen und werden damit weiter machen. Diese Bücher rütteln wach, haben unheimlichen Tiefgang und sind oft mehr als emotional.

Gleich vorweg muss ich sagen, ich habe am Ende dieses Buches bitterlich geweint. Das Nachwort hat dies veranlasst, dazu am Ende des Berichts mehr. Erst muss ich euch Paula Laurenz vorstellen, ein fünfzehnjähriges Mädel, was einen Mann anbetet.

Jeder von uns hat ein Lieblingsbuch, was er sofort, wie aus der Pistole geschossen, nennen kann. So kann dies auch Paula. Ihr Lieblingsbuch und ihr größter Stolz ist “Mein Kampf” von Adolf Hitler. Paula folgt dem Führer treu und zuverlässig, als Dank hat sie als einziges Mädchen aus dem BDM (Bund deutscher Mädel) eine signierte Ausgabe bekommen. Sie schwebt wie auf Wolken, denn sie wurde gerade zur Schaftführerin ernannt und wenn sie weitermacht wie bisher, wird sie wohl bald Scharführerin werden. Sie ist glücklich in ihrer Führungsrolle und erledigt ihre Aufgaben mehr als gewissenhaft. In Deutschland brechen neue Zeiten an und sie kann ihren Teil dazu beitragen und ist begeistert vom Führer, von Adolf Hitler.

Bücherverbrennung und Paulas Lieblingsbuch “Mein Kampf”

Paula lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Haus, nicht wie ihre Freundin Mathilda, eine Halbjüdin deren Vater Arzt ist, in einer großen Villa. Sie haben aber einen eigenen Luftschutzkeller in den sie, im Jahr 1941, fast jede Nacht gehen müssen, denn es gibt kaum noch eine Nacht ohne Fliegeralarm. Paulas Mutter ist Hausfrau, ihr Bruder Hans ist stolz der HJ (Hitler Jugend) anzugehören und ihr Vater sitzt seit einiger Zeit in der Abteilung für Juden- und Räumungsangelegenheiten. Sein Aufstieg nach dem Eintritt in die Partei war rasant und bald kann über einen Umzug nachgedacht werden.

Treue und Pflichterfüllung sind sein Motto und er liebt seine Familie, solange sie genau wie er den Führer und das Vaterland verehren.

Münster – Nationalsozialismus – Judendeportation

Paula geht es gut, nur Mathilda scheint sich immer mehr von ihr zu entfernen. Ihre beste Freundin besucht jetzt nicht mehr die gleiche Schule wie sie, sie bekommt Privatunterricht. Die Treffen werden seltener, zudem auch Paulas Vater gegen die Freundschaft der zwei Mädchen ist. Heimlich treffen sich die beiden auf dem Reiterhof bei den Pferden, dort sind sie relativ unbeobachtet. Doch auch dort tauchen seit kurzer Zeit die schwarzen Autos auf, jene Autos die nichts Gutes bedeuten, die vor allem Mathilda Angst machen.

Die Mädchen sind kreativ und beginnen sich Briefe zu schreiben, die sie im Geheimbriefkasten, einem Hohlraum in einem mächtigen Baum, verstecken. Auch ihre Namen ändern die beiden. Paula unterzeichnet die Briefe mit Fundevogel und Mathilda mit Lenchen und sie haben ein Freundschaftsversprechen, welches in jedem Brief zu finden ist. Der Zusammenhalt ist trotz der Umstände stark.

„Verlässt du mich nicht, verlass ich dich auch nicht.“

Geheimbriefkasten im Baumstamm

Der Kontakt beginnt abzureißen und genau an diesem Punkt beginnt auch ihr Leben und ihre Lebensphilosophie Risse zu bekommen. Sie fängt an zu verstehen, zu begreifen. Ihr Vater scheint nicht nur bei der Schutzpolizei tätig zu sein, sondern auch aktiv bei der Deportation der Juden zu helfen. Dem Führer wollte Paula dienen, doch nicht mit dem Ergebnis dabei ihre beste Freundin zu verlieren. Ihr Vater beginnt ihr mit seinem Handeln Angst zu machen, sie erkennt was in Münster gerade vor sich geht und beginnt zu erwachen. Dieses Erwachen, das Andersdenken, das Denken gegen Hitler handelt ihr mehr als Ärger mit ihrem Vater ein.

Paula entspricht nicht mehr seinen Erwartungen, Vaters Befehle werden nicht mehr ausgeführt und unter diesen Umständen kann er Paula nicht mehr lieben, nicht mehr akzeptieren. Sie ist nicht mehr die naive Paula und er war noch nie der liebevolle Vater, den er in Anwesenheit seiner Familie zu sein vorgab. Auch an Hans geht die Veränderung Paulas nicht vorbei und auch er handelt eigenmächtig, beginnt verbotene Lektüre wie „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner zu lesen. Und damit nicht genug…

„Vergiss nicht, was wichtig und richtig ist.“

Führertreue – Luftschutzbunker

Ein berührender Roman aus der Feder der Autorin Elisabeth Zöller. Der Roman wird aus Paulas Sicht erzählt und versetzt den Leser in die damalige Stimmung des Nationalsozialismus. Auch auf die Familienverhältnisse der damaligen Zeit geht die Autorin ein. Paulas Mutter hat nichts zu sagen, sie ist die brave Haus- und Ehefrau, sie sorgt für die Kinder, der Vater kümmert sich um das Einkommen und ist ein Nazi durch und durch. Die Kinder müssen gehorchen und haben ihren Vater als Vorbild, suchen Anerkennung in dem sie aus eigener Initiative beispielsweise eine Bücherverbrennung organisieren.

Vaters Befehl oder ein deutsches Mädel – zwei Titel die sein müssen. Sich auf einen zu einigen ist mehr als schwer. Paula – ein deutsches Mädel aus voller Überzeugung, welche sich aber immer weiter verliert und mit diesem Verlieren werden Vaters Befehle stärker und stärker. Deshalb ist der Titel Vaters Befehl und ein deutsches Mädchen von vornherein ausgeschlossen.

Ein emotionales und ergreifendes Werk – ein scheinbar fiktiver Roman…   

Elisabeth Zöller – Gegen das Vergessen

Man darf weinen, ja, dass darf man, auch bitterlich. Mir hat es fast das Herz zerrissen bei den letzten zwei Seiten. Der Ausgang des Buches war bereits emotional, doch das Nachwort setzte alle Tränen frei, die ich an diesem Tag zur Verfügung hatte. Damit habe ich mit keiner Silbe gerechnet, diese Zeilen konnte man nicht vorhersehen und auch am Anfang des Romans war nicht ersichtlich, dass man so extrem von hinten durch die Brust getroffen wird.

Jedes Wort zum Inhalt des Nachworts würde den Roman zerstören, den Überraschungsmoment muss man selbst erleben, eigentlich hätte ich es überhaupt erst gar nicht erwähnen sollen. Doch wie kann ich sonst erklären, wie bitterlich ich geweint habe. Es klingt als ob ich wie ein kleines Kind geschluchzt hätte und ich glaube es klingt nicht nur so, ich glaube genau das habe ich getan.

Gegen das Vergessen – wir schreiben weiter über Bücher, die man kennen MUSS.

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Als gäbe es einen Himmel…

Literatwo gegen das Vergessen – Als gäbe es einen Himmel – Els Beerten

Literatwo hat sich das Schreiben “Gegen das Vergessen” auf die literarische Fahne geschrieben. Bücher, die geschrieben wurden, um uns die Vergangenheit vor Augen zu führen und die dafür Sorge tragen, dass Begriffe wie Holocaust, Genozid, Deportation und Verfolgung nie in Vergessenheit geraten, stehen hierbei im Vordergrund.

Sie bilden für uns die Ausgangssituation, ein neues Aufflammen solcher Ideologien schon in unserem Denken für alle Zukunft einzudämmen und viele dieser Neuerscheinungen oder Klassiker sollten zur Pflichtlektüre in unseren Schulen erhoben werden, da sie nicht nur stilistische Meisterwerke sind, sondern eine Botschaft transportieren, an der man nicht achtlos vorübergehen darf!

Mit dem Roman “Als gäbe es einen Himmel” von Els Beerten nähern wir uns diesem Herzensanliegen diesmal von einer Seite, die für diktatorische Systeme idealtypisch ist. Die Beeinflussung Jugendlicher, ihre Verführung und die kollektive Verblendung sowie die lebenswichtige Entscheidung zwischen Mitlaufen, Kollaborieren oder Widerstand sind die zentralen Themen des zeitlos bewegenden Jugendbuches.

Als gäbe es einen Himmel von Els Beerten

Ich habe meine Freunde nie verraten.
Wer das dennoch tat, wurde schwer bestraft.
Denn man überlebt dank der Freunde.

Und nicht trotz seiner Freunde…

Kein Zitat aus dem Roman „Als gäbe es einen Himmel“ trifft den Kern der geschilderten Geschehnisse treffender – kein Satz bleibt länger im Gedächtnis als dieser.

Belgien kurz nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen im zweiten Weltkrieg. Die Geschwister der Familie Claessen leben im wohlbehüteten Kokon einer kleinen Schutzinsel namens “Wegschauen” und “Nicht Auffallen”. So versucht der Vater seine kleine heile Welt zu bewahren. Verbunden durch die gemeinsame Leidenschaft zur Musik und im Kontakt mit den Angehörigen des kleinen Orchesters muss die kleine Familie allerdings schnell realisieren, dass ihre geschlossene Gemeinschaft im Dorf so langsam zu bröckeln beginnt.

Das nationalsozialistische Gedankengut beginnt wie ein Spinnennetz zu wuchern und um den Kokon der Familie einen zweiten zu legen, der umso undurchdringlicher scheint, je mehr Zeit ins Land geht. Es wird eng im Dorf. Das Misstrauen geht auf wie eine gut gedüngte Saat.

Mitläufer, Kollaborateure und die Widerstandsbewegung stehen in härterem Kampf gegeneinander, als ein vereinigtes Belgien der Flamen gegen die Deutschen stehen könnte.

Die Strategie der Machthaber scheint aufzugehen. Nur die Familie Claessen versucht allen äußeren Einflüssen zu trotzen. Bis Ward erscheint. Ein brillanter Saxophonist, der mit seiner Mutter ins Dorf kommt. Er ist so anders, faszinierend und charismatisch. Bei einer Orchesterprobe lernt er die Geschwister Claessen kennen.

Als gäbe es einen Himmel – Was der Krieg aus uns macht…

Er bringt das Leben der Familie durcheinander. Die Tochter Renée verliebt sich in ihn, der ältere Bruder Jef wird zu seinem Weggefährten und der jüngere Bruder Remi träumt davon, Wards bester Freund zu werden, wenn er nur endlich älter wäre. Doch besonders an Ward gehen die Parolen der NAZIS nicht spurlos vorüber und aufgestachelt durch Lehrer und die gemeinsame Angst vor einem noch viel mächtigeren Feind aus dem Osten, beschließt er, seine Zukunft in die eigene Hand zu nehmen und auf Seiten der Deutschen gegen die Russen zu kämpfen. Er wählt den Weg in die Waffen-SS.

Eine Entscheidung, die beide Kokons der Familie zu zerreißen droht. Denn im Widerstreit der unterschiedlichen Parteien ist ein behütetes Zuschauen nicht mehr möglich und jede individuelle Entscheidung ist eine für oder gegen das eigene Land – und auch eine Entscheidung für oder gegen Ward. Und eine Entscheidung gegen Ward ist die Entscheidung für den Widerstand.

Alles entscheidet sich in einer einzigen Nacht – alles gipfelt in einer Katastrophe – alles verändert sich in der Stunde, in der Besatzer und die Resistance aufeinandertreffen und Jef zum Helden wird…. Zumindest aus Sicht der Widerstandsbewegung.

Els Beerten – Als gäbe es einen Himmel – Beginn eines neuen Denkens

Als gäbe es einen Himmel…. Als gäbe es jenen Himmel, zu dem jeder betet, den jeder in seinen gequälten Stunden sucht, an den jeder seine Hoffnungen richtet und der sich doch für alle Beteiligten so sehr zu verdunkeln scheint. Als gäbe es jenen Himmel, versucht jeder seinen Weg durch die Katastrophe des Krieges zu finden… aber es gibt keinen Himmel im Belgien der Jahre 1940 – 1945. Es gibt nur Wolken und Blitze, Donner und Niederschlag. Es gibt keinen Himmel – zumindest keinen gemeinsamen.

Ein multiperspektivischer Roman, der gerade durch die wechselnden Sichtweisen die Dynamik des Lebens in einem zerrissenen Dorf hervorhebt. Jeder kommt zu Wort – jeder sieht das Geschehen nur aus seiner Sicht und jeder erkennt nur seine Wahrheit. Wir Leser besitzen das Privileg das Prismenglas dieser Perspektiven scharf stellen zu können und im brutalen Fokus der gebündelten Lichtstrahlen der einzelnen Handlungsstränge die EINE Wahrheit zu erkennen, die zum völligen Desaster führt.

Ein großer Roman über Vorverurteilung, Heldenverehrung und ein Leben in der letzten Konsequenz der eigenen Entscheidung. Ein großes Buch der Missverständnisse und vertanen Chancen. Ein wichtiges Buch. Es trägt dazu bei, sich über den Gräbern von einst die Hand zu reichen… Ein nicht zu unterschätzender Beitrag, den die Literatur heute zu leisten vermag!

Hier geht es sofort weiter! Mit einem deutschen Mädel und dem Befehl ihres Vaters.

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