Holocaust-Gedenktag… Lili Jacob – ein Schicksal…

Heute vor 67 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Heute, am 27. Januar 2012 gedachte der Bundestag den Opfern des Holocaust und in einer bewegenden Rede hat der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki über seine Zeit im Warschauer Ghetto gesprochen. „So etwas vergisst kein Mensch“… gleichsam trauriger Ruf in die Vergangenheit und hoffnungsvoller Appell an die Zukunft.

Gedenktage sind wichtige Tage, zum „Nicht Vergessen“ gehört allerdings auch die Nachhaltigkeit. Wir versuchen, diesem Erinnern Kontinuität zu verleihen.

Eva Kozes Mor, Denys Avey, Ruta Sepetys und viele weitere Personen kommen auf Literatwo zu Wort und unsere Position ist klar formuliert. „Gegen das Vergessen“ – schreiben, Stellung beziehen und standhaft bleiben. Daran hängen unsere Herzen. Auch heute gedenken wir. Vielen Stimmen von Zeitzeugen haben wir ein eigenes Echo folgen lassen. Opfersicht… Die Täter schwiegen… Wohl, weil es so einfach war zu schweigen.

Es fehlt die Darstellung der grausamen Mechanismen aus Sicht der Täter – Hitler als Einzelverantwortlicher – niemand hat gewusst – und keiner war dabei – ein Bild das sich festzusetzen versucht, da die eigentlichen Akteure beharrlich geschwiegen haben. Dieses Schweigen wurde nur ein einziges Mal gebrochen… absichtslos und zufällig…

Es geschah im Mai 1944. Auch Eva Mozes Kor erreichte das KZ Auschwitz in diesem Monat, ihre Schwester Miriam war bei ihr. Dieser Transport war nur einer von unzähligen Deportationszügen, die an der Todesrampe ankamen.Von der ganzen Welt scheinbar unbemerkt und hinter einem Schleier des Schweigens verborgen erreichte auch Lili Jacob (18) das Todeslager.. vielleicht sind sich die Mädchen gar begegnet. Man weiß es nicht… es waren zu viele verschleppte Juden.

An diesem Tag jedoch geschah etwas unfassbares…

Mit den Photos, die im „Auschwitz Album“ veröffentlicht wurden, haben SS – Offiziere ungewollt das Schweigen gebrochen – sie haben zwar mit keinem Wort etwas ausgesagt, und doch mehr veröffentlicht als sie jemals zu beabsichtigen glaubten. Sie griffen an einem Tag im Mai 1944 in Auschwitz zu einem Photoapparat und dokumentierten den Ablauf der industrialisierten Massenvernichtung am Beispiel eines Transportes ungarischer Juden.

Die Umstände unter denen die Photos entstanden bleiben rätselhaft – einen offiziellen Auftrag kann es nicht gegeben haben, da gerade diese Bilder offiziell nie hätten entstehen dürfen.

Die berührenden Photos zeigen die Ankunft einer Gruppe von Juden, die aus einem kleinen nordkarpatischen Dorf gemeinsam mit 3500 weiteren Personen nach Auschwitz deportiert wurden. Unter den Häftlingen ist Lili Jacob, die mit ihrer gesamten Familie in den sicheren Untergang steuert.

Der Betrachter erlebt die Selektion an der Rampe des Lagers – sieht Menschen auf dem Weg in die tödlichen Gaskammern, erkennt verzweifelte Gesichter von Müttern und Vätern, die von ihren Kindern getrennt werden und erlebt die gewissenlosen Täter, die in unmenschlicher Weise das Räderwerk der Vernichtung in Gang halten.

Die 18jährige Lili Jacob wird als arbeitsfähig eingestuft und ebenfalls von ihren Lieben getrennt, über deren weiteres Schicksal sie nichts genaues in Erfahrung bringen kann. Im Zuge der Befreiung der Konzentrationslager durch alliierte Truppen im Jahr 1945 wurde auch Lilli, mehr tot als lebendig, gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Dort fand sie zufällig ein Album mit genau den Bildern ihrer Ankunft im KZ Auschwitz. Bis 1980 verwahrte Jacob das Album bei sich daheim, ehe sie es der Gedenkstätte Yad Vashem übergab. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ihr gelungen, vielen Menschen ihres Transportes von damals wieder Namen zuzuordnen – auch allen Toten ihrer eigenen Familie.

Yad Vashem stellte gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten weitere Nachforschungen an und erreichte zumindest eines: Viele der Opfer konnten identifiziert werden und bekamen wenigstens ihre Identität  zurück.

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Lili Jacob... den Opfern einen Namen geben... ihre Lebenswerk!

Was lernt man selbst aus der Geschichte und wie viel trägt dieses Buch dazu bei, sich zu positionieren?

Als Vater schwört man sich für Tochter und Sohn,  sich niemals – egal wie gefährlich die  Situation auch sein mag – freiwillig voneinander trennen zu lassen, sondern zu der Verantwortung zu stehen, die man Zeit seines Lebens trägt. Beruflich lernt man nie wegzuschauen, sondern zu agieren und zu verhindern – nie zuzuschauen – sondern aktiv zu handeln – Zivilcourage und Berufsethos in den Vordergrund zu stellen – und dies unter Akzeptanz aller Konsequenzen. Als Angehöriger lernt man, den Großeltern Gehör zu schenken. Sie waren selbst noch Zeitzeugen und tragen eigene Geschichten in sich – nicht verarbeitet und vielleicht nie erzählt. Die von ihnen ausgelösten Gedankenketten sollte man zulassen…

Und schließlich lernt man als Leser, diese Themen zu ehren und ihnen vielleicht doch einmal für ein paar Tage im Jahr Raum zu geben. Zu lesen, zu denken, zu fühlen und darüber zu schreiben… Gegen das Vergessen…

Eva Mozes Kor, Denys Avey und Lili Jacob - Stimmen bei Literatwo...

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Frauen 2012 – Mut, Stärke und Nächstenliebe

Die goldene Bild der Frau 2012

Die goldene Bild der Frau 2012

Am 21. März 2012 ist es so weit, denn dann stehen die fünf diesjährigen Preisträgerinnen auf der Bühne – bei der großen Gala in Berlin. Bis dahin kann gevotet werden.

Doch mal langsam, wie kommt Literatwo zu diesem Ereignis und wenn alle fünf Frauen Preisträgerinnen sind, warum noch voten?

Literatwo stößt auf diese Veranstaltung, Indem Arndt ein riesiges Gala-Plakat sieht und dieses sich wie ein Ohrenkuss bei ihm festsetzt. Eine der nominierten Frauen ist Dr. Katja de Bragança, die Frau mit dem Ohrenkuss sozusagen. Vor einem Jahr habe ich über das Buch „Ohrenkuss“ auf dem Blog.Lovelybooks berichtet. Sie hat „Ohrenkuss“ – das weltweit einzige Magazin, das von Menschen mit Down-Syndrom gemacht wird, ins Leben gerufen. 

Voten kann man allerdings immer noch, denn die fünf Frauen sind zwar bereits Preisträgerinnen und haben das Preisgeld von 10.000€ erhalten, aber eine von diesen fünf, hat die Chance zusätzlich 30.000€ Extra Preisgeld für ihr Projekt zu bekommen.

Doch was ist das, ein Ohrenkuss?

Ohrenküsse sind Worte die zum einen Ohr reingehen und zum anderen NICHT wieder raus. Worte die im Kopf bleiben. Ständig bekommen wir schöne Worte gesagt, die sich in uns fest setzen, bis ganz tief ins Herz vordringen. Oft möchte man diese schönen Worte auch zurück geben oder sagt selbst jemanden Worte, die berühren und die sich bei dem Anderen festbrennen sollen.

Dr. Katja de Bragança

-DAS WÖRTERBUCH- OHRENKUSS

Menschen mit Trisomie 21 auch als Down-Syndrom bezeichnet, schreiben im Buch Ohrenkuss ihre Worte, wie sie die Welt erleben. Warum auch nicht? Was? Menschen mit Trisomie 21 können nicht schreiben oder sich nicht ausdrücken? Weit gefehlt, ganz schön weit, denn wir urteilen zu schnell oder haben Vorurteile. Denn das Wörterbuch ist von einer Autorengemeinschaft, alle Autoren haben Trisomie 21, geschrieben, die zudem sogar regelmäßig ein Magazin – Ohrenküsse - herausgeben. Überzeugt euch doch selbst und erfreut euch an diesen Ohrenküssen.

„Schweigen zu brechen ist einfach, wenn man eine Stimme hat“

Literatwo wünscht allen fünf nominierten Frauen viel Glück und weiterhin große erfolgreiche Taten und zieht den Hut vor ihren Leistungen.

Bildklick zu den fünf starken Frauen

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Hugo Cabret – der Oscar-Favorit 2012

11 Oscar - Nominierungen 2012 für Hugo Cabret

Literatwo freut sich ungemein, unmittelbar nach der Veröffentlichung unseres Artikels über die Verfilmung des Romans „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick eine weitere mehr als grandiose Neuigkeit bekanntgeben zu dürfen.

Nachdem wir das Buch gelesen haben und im Filmbuch zu den Hintergründen der „Filmwerdung“ der Romanvorlage versunken sind, hatten wir schon so unsere Vorstellung, welch episches und bildgewaltiges Werk uns da ab dem 9. Februar 2012 in den heimischen Kinos erwarten wird. Wir wussten allerdings auch, dass dieses Kunstwerk unter Umständen Gefahr laufen kann, als reines Kunstwerk am wirklich großen Publikum vorbeizulaufen.

Umso höher waren unsere literatwoischen Luftsprünge, als wir gestern lesen durften, dass „unser“ Film von Martin Scorsese gleich in 11 Kategorien für den bedeutendsten Filmpreis nominiert wurde. Neben den Kategorien „Bester Film“ und „Bester Regisseur“ gilt „Hugo“ inzwischen als der Topfavorit der diesjährigen Oscarverleihung in Los Angeles.

Der 26. Februar wird unsere Aufmerksamkeit fesseln – in Gedanken sind wir in Los Angeles, sitzen in den ersten Reihen und können es kaum erwarten zu erfahren, wie viele goldene Statuen „unser“ Film wohl erhalten wird. Es wäre der Triumph eines verfilmten Kinderbuches über die Actionwelt des Kinos des 21. Jahrhunderts. Wir drücken die Daumen…

In unseren Artikel zu Roman, Filmbuch und Film könnt ihr euch auch gerne auf den großen Tag vorbereiten… Auf nach L A. – und den deutschen Trailer legen wir gerne als Zugabe bei… ;-)

Mit einem Klick zu unserem Hugo Cabret - Artikel...

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Literatwo sticht in See…

Die RMS LITERATWO in voller Fahrt

Vor 101 Jahren hatte sie ihren Stapellauf bereits hinter sich. Vor 101 Jahren war sie bereits Legende. Vor 101 Jahren hielten die Menschen den Atem an, wenn sie sich nur vorzustellen versuchten, welche Ausmaße der größte Passagierdampfer der Welt, die RMS (Royal Mail Ship) Titanic hatte.

Aufgerichtet hätte sie den Kölner Dom und das New Woolworth Building in New York überragt – hätte man sie an Land aufgestellt, die Titanic wäre 1912 eines der höchsten Gebäude der Welt gewesen. Die Menschen sahen in ihr und den Schwesterschiffen Olympic und Britannic (die eigentlich Gigantic heißen sollte, wegen der Katastrophe jedoch schnell umbenannt wurde) den Höhepunkt der technischen Entwicklung.

Das Vertrauen in die unsinkbaren Ozeanriesen war unerschütterlich und erstmals wurden Atlantiküberquerungen nicht nur für den Transport von Auswanderern geplant. Die Kreuzfahrten in allerfeinstem Luxus und in gediegenstem Ambiente gewannen an zunehmender Bedeutung und das „Who is Who“ der Reichen der Welt versammelte sich an den Anlegestellen der White-Star-Line, um ein Teil dieser technischen Revolution zu sein.

Und wenn sogar Millionäre an Bord gingen, dann musste ein solches Schiff einfach sicher sein. Es musste seinen Nimbus der Unsinkbarkeit zu Recht tragen. Wenn doch sogar John Jacob Astor ein Ticket besaß…..

Die letzte große Fahrt im April 2012...

Vor 100 Jahren lichtete die Titanic zum letzten Mal ihre Anker.

Wir wissen, welches Schicksal sie ereilte – kaum eine Schiffstragödie bewegte die Menschen mehr als die Kollision der Titanic mit einem Eisberg. Unzählige Bücher wurden geschrieben, zahllose Filme gedreht und nachdem der letzte Überlebende der Katastrophe gestorben war nahm die Legendenbildung um das Schiff der Schiffe ungeahnte Ausmaße an.

Doch denken wir heute auf der Grundlage geschichtlich gesicherter Dokumente an diesen Tag zurück oder geistern Namen wie Rose Dewitt Bucator und Jack Dawson durch unser Hirn, wenn wir uns am 15. April 2012 des 100jährigen Gedenktages der Katastrophe nähern? Zahllose Male haben wir den Film gesehen, immer wieder sind wir mit dem Schiff untergegangen und ich selbst leide seit Cameron unter einem Trillerpfeifen-Trauma(jedesmal wenn im Schwimmbad ein solches Geräusch zu hören ist, suche ich verzweifelt nach einer schwimmenden Tür)

Wir nähern uns unserem ganz persönlichen Titanic–Tag in kleinen Schritten an. Wir werden über aktuelle und bereits erschienene Bücher berichten, werden auf die Hintergründe eingehen und die realen Schicksale in den Vordergrund stellen. Aktueller könnte das Thema gerade nicht sein, da spätestens seit dem Kentern der Costa Concordia alle Fragen der Schiffssicherheit in das 21. Jahrhundert gespült wurden. Ist unser Vertrauen in die Megatechnik wirklich unerschütterlich? Sind die Luxusliner heute sicherer als damals?

Ein sehr ernstes Thema mit Tiefgang und vielen verborgenen Geschichten. Grund genug, sich auf dem Buchmarkt umzuschauen und mit euch ins Gespräch zu kommen. Grund genug, an den Untergang eines Traums zu erinnern. Allemal Grund genug für uns…

Ganz besondere Bücher werden uns auf unserer Reise begleiten...

Wir haben viel vor und würden euch gerne auf eine ganz besondere Kreuzfahrt einladen. Alles können wir euch natürlich noch nicht verraten. Wir haben jedenfalls eine Idee, an deren Umsetzung wir gerade fleißig stricken. Die RMS Literatwo wird zeitgerecht zum Gedenktag des Titanic-Unterganges in See stechen und wir freuen uns darauf, euch als Passagiere begrüßen zu dürfen.

Der erste Check-In wird auf der Buchmesse in Leipzig erfolgen…. Natürlich kann man ein legendäres Käptn`s-Dinner buchen, sich seine Kabine auswählen und sich auf die Erste-Klasse Liste setzen lassen…. Aber im Moment verraten wir nicht mehr… Unsere Landungsbrücke werden wir jedoch am Buchafen Leipzig verankern und freuen uns schon jetzt auf ein titanisches Treffen mit euch…!

Ach ja… Trillerpfeifen kommen nicht an Bord…. ;-)

Landungsbrücke Leipzig 2012...

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Clara Luisa Demar – eine Ode für Oda (Teil 2)

Begegnungen an der Strasse des Lebens (2)

Von Clara Luisa Demar

Neulich suchte ich im Internet – einem Impuls folgend – nach Büchern der Dichterin.

Da stürzte sich die Flut des Poll-Films mir entgegen. Der Großneffe, Chris Kraus, hatte einen Film gemacht, der sich sehr lose an Oda Schaefers Erinnerungen „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“ anlehnt.

Es war für mich Anlass genug, das echte Werk erneut zur Hand zu nehmen. Und es war mir, als ob ich es nie gelesen hätte. Nun endlich, nachdem auch ich eine weite Lebensstrecke durchwandert hatte, begann ich wirklich zu verstehen.

„Launisch bewahrt die Erinnerung Eindrücke und Bilder auf… Auf dem Meeresboden der Vergangenheit ruhen sie, wie eingesargt in den Schatullen versunkener Schiffe. Man muss sie heben, um die Einheit des Lebens herzustellen, dem Bogen folgend von Anfang an… „

Aus „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“

Ich strecke meine Hand aus nach der Deinen,
verehrte Dichterin,

sie greift in Leere.
Ich kann Dich nicht mehr sehen, hören, zu Dir gehen.
Doch neu erstehst Du vor mir, in mir,
beginnst zu leben in dem Buch, das Du gesehn.

Die frühen losen Bilder Deiner Kindheit,
der Schokoladentambour,

Blühende Allen, das alte Königsberg, das Meer im Tiefblau,
gekrönt von weisser Wellenkämme Schaum…

Die schweren Träume die Dich abwärts zogen,
in diesen unentfliehbar schwarzen Grund,
den Du bei Tag schon fürchtetest,
sie waren Ahnung wohl der Seele,
die das Entsetzen kommen fühlte,

das über unsren Ländern dann geschehn.

1914
Am Rand des Krieges, mit dem alles Elend anfing,
fuhrst Du mit deiner Mutter noch zurück,
dahin, wo die Familie hergekommen,
ins Baltikum, das darauf war verloren,
und keine Strasse führte mehr zurück.

Und da fandst Du den Schatz, der Dich begleitete,
ein Leben lang, und oft Dich rettete,
wenn Deine Kraft erlahmt.
Ein Garten war es, Traum und Dasein.
Dass er gewesen, wirklich, möglich, echt,
dass auf der Erde Friede und Vollendung 
Dir war geschenkt für kurze Zeit,
es gab Dir Kraft.
Die Blühten alle, rosa, weiss, orange und wenig Blau,
erschienen Dir lebendge Wesen,
sie waren Freunde Dir, sie blieben es, 
wann immer du sie hast geschaut im Traum.

„Das Beschwören des vergangenen Bildes gleicht einem alten Zauber. Immer von neuem hat es das Feuer in mir angefacht zu Selbstbehauptung, Entflammtheit und Liebe.“

Aus „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren

Die Jahre dann,
im Berlin der Kriege, vor dem Ende, 
Begeistrung, Hunger, Hoffnung, Furcht und Wahn, 
wo unvorstellbar Grauen sich entfaltete,
dem niemand Einhalt hat getan.

Ich habe keinen Krieg erlebt und nie Hunger gelitten. Ich beginne Dankbarkeit zu empfinden, dass ich mein Leben lang verschont geblieben bin.

Inmitten dieser Wirren fandest Du ein Glück, 
das selten ist auf dieser Erde.
Du fandest den Gefährten, 
den Dichterdoppelstern, der Dich ergänzte,
und Euer steinger Weg, 
er war gepflastert auch mit Steinen des Verstehns,
und diese Strasse gingt Ihr Hand in Hand, 
da Eures Gottes Gabe Euch verband.

„ …Aus allen tiefen Schatten trat 
Das tote Leben neu hervor,
Es säte unsichtbar als Saat
Die Unschuld, die es einst verlor… „

Aus „Liebespaar 1945“

Ich habe in meinem ganzen bisherigen Leben keinen Menschen getroffen, der mich wirklich verstanden hätte. Ein verstehendes Doppelgestirn zu finden ist ein Glück, so selten, wie die Goldader im schwarzen Gestein des Berges. Die Lebenswege der Menschen führen rätselhaft durch die Landschaft des Daseins. Sie lassen sich nicht biegen von unseren Wünschen.

Die hohe Zeit der Kämpfe war zerfallen,
Friede begann nun überall.
Es ging den Menschen gut, sie hatten alles,
und wussten bald nicht mehr wozu.
Noch einmal, am Beginn der 70er Jahre,
flammte der Wille auf zu neuem Sein,
doch seither ist es einfach reichlich trübe,
man weiss nicht recht,
wozu das alles sollte sein.
In dieser Zeit nun lebtest Du
und halfest denen, die sinnentleert
die Lebensstrasse ziehn, Sinn finden,
schwer und mühsam,
und suchtest selber nach dem Sinn.

Den Sinn fandst Du im Andern, im leidenden Nächsten, im DU.

„Wer hat Mut den Aussatz zu heilen,
Die Schwären des Bettlers zu küssen,
Oder die Narben des Mannes
Den die Panzerfaust ins Gesicht schlug

Wer hat Mut bei den Finstren zu bleiben
Die jedermann meidet
Wenn die Goldnen dort oben, hoch oben
Anlocken die Schwärme der Schwachen

Wer hat Mut zur beständigen Liebe!“

Aus „Gegen die Dunkelheit der Welt“

Ich kann Dir da nicht folgen. Einst war auch ich so, entflammt. Grau und leer scheint mein Herz heute. Es ist schwer, in einer Zeit, die den Materialismus ad Absurdum geführt und zum Gott erklärt hat, die Kraft der dienenden Liebe in sich zu entfachen. Wem sollte sie dienen?

Ich begreife aber nach all dem, was ich heute von Dir erfahre, dass es der einzige Sinn sein kann. Ich werde mich bemühen, und wenn ich der letzte Mensch sein sollte, auf dieser Erde, der so denkt. Es ist noch nicht zu spät. Damals, am Ende der grossen 70er Jahre, wurde mein Herz zu Stein. Ist es wirklich zu Stein geworden, oder ist es nur einbetoniert?

Ich horche in die Tiefe, und ich meine, es ganz leise und schwach klopfen zu hören, wenn ich an Deine Hilfsbereitschaft, Güte und Freundschaft denke.

Dass Du mich ermutigt hast zu meiner Kunst, gibt mir Sinn.

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